Ovid - Der Rabe und die Krähe

Der Rabe und die Krähe Vormals weißer wie Schnee mit silberhellem Gefieder Blinkte der Rab', und trotzte den ganz ungemakelten Tauben; Nicht die wachsame Gans, die Roms Kapitole zur Hut war, Schimmerte heller denn er, noch der rudernde Schwan im Gewässer. Ihm war die Zunge Verderb; durch Schuld der geschwätzigen Zunge Ward das lichte Gefieder in dunkeles plötzlich verwandelt. Schöner war, wie Koronis, die Larissäerin, keine Aller hämonischen Frau'n. Dir wenigstens, Phöbus, gefiel sie, Weil noch züchtig sie war, und noch unbeachtet. Doch endlich Merkte den Flattersinn der apollonische Vogel; Und zu entdecken die Schuld, ein unerbittlicher Melder, Lenkt' er zu seinem Beherrscher den Flug. Mit geschwungenem Fittich Folgt ihm die plaudernde Kräh', um alles genau zu erforschen. Als sie des Wegs Ursache gehört: Nicht frommet der Weg dir, Sagte sie, welchen du eilst; o gedenk' an meine Verkündung! Schau, was ich war, und was jetzo ich bin; dann forsche, woher das? Und du erkennst, daß Treue mir schadete. Einst in der Vorzeit Hatte der Erde Geschlecht, den Erichthonius, Pallas In der geflochtenen Kist' aus attischem Reisig verschlossen. Drei jungfräulichen Töchtern des zweigestalteten Cekrops Gab sie darauf den Beding, daß nicht ihr Geheimnis sie sähen. Ich, im luftigen Laube der dichten Ulme verborgen,

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