Ovid - Orpheus und Eurydice

Orpheus und Eurydice Durch die unendliche Luft, vom Safranmantel umhüllet, Geht Hymenäus einher, zu dem kalten Gebiet der Cikonen, Wo ihn umsonst anflehet der Ruf des melodischen Orpheus. Jener erscheint ihm zwar; doch nicht heiljauchzende Worte Bringt er, noch fröhlichen Blick, noch Ahnungen glücklicher Zukunft. Selbst die gehaltene Fackel erzischt in betränendem Dampfe Immerdar und gewinnt nicht einige Glut von Bewegung. Schrecklicher war der Erfolg, wie die Deutungen. Durch die Gefilde Schweifte die jüngst Vermählte, vom Schwarm der Najaden begleitet, Ach, und starb, an der Ferse verletzt von dem Bisse der Natter. Als zu dem Himmel empor der rhodopeische Sänger Lange die Gattin beweint, jetzt auch zu versuchen die Schatten, Wagt er hinab zur Styx durch des Tänarus Pforte zu steigen. Und durch luftige Scharen bestatteter Totengebilde Naht er Persephonen nun, und des anmutlosen Bezirkes Könige drunten in Nacht; und sanft zum Getöne der Saiten Singet er: O ihr Gewalten des unterirdischen Weltraums, Welcher uns all aufnimmt, so viel wir sterblich erwuchsen! Wenn ihr, ohne der falsch umschweifenden Worte Beschönung, Wahres zu reden vergönnt; nicht hier zu schauen den dunkeln Tartarus, stieg' ich herab, und nicht den schlangenumsträubten, Dreifach bellenden Hals dem medusischen Greuel zu fesseln.

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