Ovid - Narcissus und Echo

Narcissus und Echo Durch die aonischen Städte, berühmt als Seher der Zukunft, Gab dem fragenden Volke Tiresias treffende Antwort. Gleich die bläuliche Nymphe Liriope machte die Probe Seines unfehlbaren Spruchs: die einst in gekrümmeter Wallung Rings Cephisos umhegt', und in bergenden Wogen ihr Brautbett Wölbete. Diesem gebar im Laufe der Monden die Schönste Ein holdseliges Kind, schon damals Nymphen bezaubernd, Und Narcissus genannt. Um ihn gefraget, ob jener Völlig gereift sehn würde das Ziel des höheren Alters, Gab der erleuchtete Mann: Wenn er sich nicht kennet! zur Antwort. Lang' in den Wind schien solches geweissagt: endlich bewährt es Tat und Erfolg, und des Todes Gestalt, und die Neuheit des Wahnsinns. Jetzo hatte Narcissus den fünfzehn Jahren noch eines Zugefügt, und er konnte wie Knab' erscheinen und Jüngling. Mancher begehrete sein der Jünglinge, manche der Jungfrau'n. Aber es war so grausam der Stolz bei der blühenden Schönheit: Keiner rührete jenen der Jünglinge, keine der Jungfrau'n. Ihn, da er Hirsche zum Garn hertummelte, schaute die Nymphe Hellen Getöns, die weder dem Redenden lernte zu schweigen, Noch selbst eher zu reden, die widerhallende Echo. Leib war Echo annoch, nicht Stimme nur; aber auch damals Tat der Schwätzerin Mund nicht andere Dienste, denn jetzo:

RkJQdWJsaXNoZXIy MjA3NjY=