Mit Dauthendey durchs Jahr - Leseprobe

84 –––––––––––––––––––––––––––––––––––––– –––––––––––––––––––––––––––––––––––––– 85 Im Hause tanzt der Tasten mutwillig Gegirr, Es suchen Hände einen Halt im Herzgewirr. Und Nächte werden aus allen Tagen U nd Nächte werden aus allen Tagen, Dann endet keine Straße mehr, Und wie die Gespinste aus grauen Sagen Hängen die Nebel die kreuz und quer. Ich suche die Nähe und suche die Ferne Und habe den Weg nicht weiter gebracht, Als von einer Laterne zur andern Laterne, Von Nebelschacht zu Nebelschacht. Der Nebel geht immer mit deinem Schritte, Nur so lang du dein Blut mit Blut vermischt, Nimmt kurz dich das Licht in seine Mitte, Der Nebel vorm flammenden Blut verzischt. November B in heut im erstarrten Garten gewesen, Wo ich in deinem Auge einst Lieder gelesen; Wo die Biene den Tropfen Seligkeit sog Und wie ein Stückchen Himmel der Schmetterling flog. Wo der Mond aufstieg wie der Liebe Lob, Wie ein Herz, das sich von der Erde hob, Und wo jetzt die Wurzeln der Blumen verwesen, Hab‘ ich in toten Blättern noch Lieder gelesen. Reif A uf schwarzen Auen Kalte grünblanke Mondrosen. Scharf kristallene Sternblüten, Und senken weißen klingenden Samen In die weißen singenden Winde. Streng keimen marmorkühle Myrthen, Edelweiß aus wehem klagenden Alabaster, Singen mit den weißen Winden: Eine eisblasse Mondwelle schläft Bei den mattgrauen Wellen der Sonne... Alleingelassen bei Erinnerungen J etzt sitzt der weiße Schlaf vor allen Wintertüren, Die Fenster sind gleich blassen Eierschalen, Dahinter leben Straßen voll Gespenster Und Stimmen, die uns ferne Menschen malen. Man kann die Welt nicht sehen und nur spüren.

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